Grüße von Günter Hussmann aus Oregon (USA)

 

2004-07-27

Meine Willi Wagner, VSWS, Gedächtnis Fahrt 2004 

Es ist Hochsommer im Staate Oregon. Eine ungewöhnliche Hitzewelle veranlaßt uns einige Tage an die viel kühlere und so schöne Küste des Pazifiks zu fahren. Und so stehe ich jetzt hier am Delta des Nehalem Flusses auf einem Anlegedeck, das eigens für kajakfahrende Gäste unseres gastgebenden Motels angelegt ist.

Der ca. 160 Km lange Nehalem Fluß bahnt sich seinen Weg aus dem Inneren Oregons durchs Küstengebirge, hat hier über Ewigkeiten ein fruchtbares flaches Delta angeschwemmt und ergießt sich in den pazifischen Ozean. Der Fluß ist nicht breiter als die Lippe, doch die Bucht im Delta ist bis zu über einen Kilometer weit. Die Lage ist ungefähr 65 Kilometer südlich von der Stadt Astoria an der Mündung des mächtigen Columbia Flusses in den Pazifik. Der Name Nehalem wurde von den Nehalem Indianern übernommen, die hier ihre Jagdgründe hatten, bevor europäische Einwanderer vor etwa 150 Jahren das Gebiet besiedelten. Heute ist es ein ideales Milchwirtschaftsgebiet und wegen seiner landschaftlichen Schönheit, Touristengebiet.


An Oregons schöner Küste. Im Hintergrund vor den Bergen ist der Nehalem Fluß. Das Delta liegt unter den Wolken.


Unser Gastgeber unterhält einen Kajakverleih für seine Gäste, was mir sehr willkommen ist, denn heute soll Willi Wagners alter VSWS Wimpel noch einmal am Bug eines Kajaks wehen; wenn auch nicht im Winde heimatlicher Gewässer, aber in einer Brise, die vom Pazifik hereinweht. Ich suche mir den längsten Einer-Kajak aus. Er hat nicht die schönste Farbe, es ist mehr eine olivengrüne Tarnfarbe, aber er hat einen guten geraden Kiel, so daß er gut und gerade laufen wird. Es dauert nicht lange und ich habe unseren alten VSWS Wimpel am Boot angebracht. Dann sitze ich, ganz wie früher im Boot, der Wimpel flattert mir in alter Frische voraus.
   

 

Zunächst überquere ich die Bucht stromaufwärts. Es geht flott voran. Dabei sind meine Gedanken in alten Zeiten bei Willi Wagner, dem dieser Wimpel so viele male vorausgeflattert ist, und bei all meinen früheren Wassersportfreunden. Wie schöne wäre es, wenn Ihr alle mit Euren Booten jetzt noch einmal bei mir sein könntet. Natürlich fehlen auch Emma Wagner und der kleine Willusch nicht, der ganz vorne in Willis Boot sitzt.

Langsam nähern „wir” uns dem wild verwachsenen anderen Ufer des Nehalem Flusses.
„Guck mal Willusch, dort ganz vorne in der Mitte da sitzt er, der Blue Heron, ein blauer Fischreiher, so wie man ihn hier an der Küste oft findet”.

 
Ein Seehund hat sich einen Salmon geschnappt und spielt damit herum, doch ich bin nicht schnell genug mit der Kamera.

Dann drehen „wir” in einen Seitenarm, denn es ist gerade nach der Flut und das Wasser ist noch hoch. Hier umfahren wir eine kilometerlange Insel, die Lazarus Insel.


„Willi, sieh mal wie schön das hohe Gras hier im Winde weht. Vor hundert Jahren oder so siedelte sich auf dieser Insel ein Farmer an. Sein Name war Lazarus. Doch es heißt, er sei nicht zu erfolgreich gewesen. Die stürmischen Winterwetter hatten ihm wahrscheinlich zu viel zugesetzt, sodass er schließlich aufgeben musste”. Er muss wirklich ein bedauernswerter “Armer Lazarus” gewesen sein. Doch die Insel trägt noch heute seinen Namen”.

  
Unser Fahrt geht weiter durch die Arme des Deltas. Riesige entwurzelte Bäume zeugen, dass auch hier einmal guter Waldbestand war, so wie im Hintergrund auf dem Bilde.
  

 
„Willi weißt Du noch, damals als wir unsere große Fahrt auf der Eder, Fulda und Weser machten, träumten wir davon einmal die Masurischen Seen zu befahren. Das war im Sommer 1939, doch das Schicksal wollte es anders. In keiner Weise konnte ich damals ahnen, dass ich heute Euch allen hier in weiter Ferne an der Küste des Pazifik Ozeans gedenke“.

 
Doch unsere Fahrt muss weitergehen, bevor die Ebbe uns aufs Trockene setzt. Vorbei geht´s an diesem verwettertem Wrack eines Bootes. Das ist vielleicht alles was vom Farmer Lazarus übrig geblieben ist.
   
   
Schließlich umfahren wir die Südspitze der Insel. Nun geht´s wieder in die Hauptströmung des Nehalem Flusses. Diesmal nicht nur gegen die Strömung des Flusses, sondern auch gegen die Strömung der Ebbe. Da heißt es tüchtig reinhauen. Selbst der strenge Rückenwind hilft nicht viel. Paddeln, Paddeln, zum fotografieren bleibt keine Zeit. 
  
   
Doch die Anstrengungen sind der Mühe wert und langsam nähern wir uns dem Anlegedeck unseres Motels. Was für eine großartige Gedächtnistour das war. Ich kann es kaum glauben, dass ich nach über einem halben Jahrhundert noch einmal erleben durfte unter Willi Wagners VSWS Wimpel im Kajak zu fahren und dass ich in Gedanken mit meinen früheren Sportsfreunden zusammen sein konnte.

  

 

 


Doch dann bin ich plötzlich wieder ganz alleine. Eine unvergessliche Erinnerung ist zu Ende gekommen.

„AHOI“ meine Sportsfreunde, „AHOI“ Euch allen, den Alten vom VSWS und den Jungen des FKF-Marl.



Christel, meine liebe Frau seit 56 Jahren, steht am Deck, um mir zu helfen. Das Boot wird aufs Deck gezogen. Dann geht´s zu einer gute Mahlzeit Fish & Chips und einem kühlen Glas Bier zum „Sea-Shack“ (See-Bude) Restaurant ganz in der Nähe. Eine wohl verdiente Mahlzeit. Ein „Prost“ Euch allen. „Lang lebe der Wassersport und der FKF-Marl“.
   

Christel & Günter (Grumpel) Hussmann

 

 

zurück zum Auswahlmenü